11.8.2026 | Fachinformation

Digitale Gewalt: Die unsichtbare Seite häuslicher und sexualisierter Gewalt

Aktionstag des RTB am 2. September in Berlin

Der Runde Tisch Berlin (RTB) lädt am 2. September 2026 zum 6. Aktionstag "Gewalt stoppen. Gesundheit stärken" in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften in Berlin ein. Die Abendveranstaltung beginnt um 17:00 Uhr mit der Begrüßung und Einführung in den Abend durch Senatorin Dr. Ina Czyborra, Vorsitzende des Runden Tischs und Schirmfrau des Abends. Im Mittelpunkt steht die Fragestellung, welche Bedeutung digitale Gewalt in der Versorgung hat und wie sie in die Ersthilfe der Einrichtungen integriert werden kann.

Der Fachvortrag zum Thema "Digitale Gewalt: Die unsichtbare Seite häuslicher und sexualisierter Gewalt" beginnt um 17:30 Uhr. Cordelia Moore, Traumafachberaterin und Expertin für digitale geschlechtsspezifische Gewalt, stellt relevante Formen und Auswirkungen digitaler Gewalt vor und informiert über Handlungsbedarf und -möglichkeiten in der Gesundheitsversorgung.

Die Anmeldung ist bis zum 28.08. möglich. Weitere Informationen: www.rtb-gesundheit.de

Sylvia Gabel, Referatsleiterin ZFA im vmf, ordnet ein: "Alle Beschäftigen im Gesundheitswesen müssen digitale Gewalt als ernstzunehmende Gewaltform erkennen und in die Ersthilfe der Einrichtungen integrieren. Neben Medizinischen Fachangestellten spielen auch Zahnmedizinische Fachangestellte dabei eine wichtige Rolle. Durch ihren regelmäßigen Kontakt zu Patientinnen und Patienten können sie Belastungen, Verhaltensänderungen oder Hinweise auf digitale Kontrolle früh wahrnehmen. ZFA schaffen vertrauliche Gesprächssituationen, reagieren sensibel auf mögliche Warnsignale und kennen geeignete Unterstützungsangebote. Damit leisten sie einen relevanten Beitrag zur Patientensicherheit und unterstützen Betroffene in ihrer analogen wie digitalen Selbstbestimmung. Digitale Gewalt ist ein unsichtbarer, aber zentraler Bestandteil moderner Gewaltformen. Die Sensibilisierung und Schulung von Fachkräften – auch in der Zahnmedizin – ist entscheidend, um Betroffene wirksam zu schützen und ihnen Zugang zu geeigneten Hilfen zu ermöglichen."

Der Runde Tisch Berlin - Gesundheitsversorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt (RTB) wurde 2019 gegründet, um die Leitlinien der World Health Organization (WHO) zum Umgang mit Gewalt in Paarbeziehungen und sexueller Gewalt im Berliner Gesundheitswesen umzusetzen und zu verankern und damit auch wesentliche gesundheitsbezogene Vorgaben der „Istanbul-Konvention“ zu realisieren. Derzeit engagieren sich 29 Organisationen - vor allem aus dem Gesundheitswesen - in dem Zusammenschluss. Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. (vmf) ist eine davon.

Hintergrund digitale Gewalt


Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erklärt: "Digitale Gewalt ist in der Regel eine Ausweitung von Gewalt im analogen Raum und wird - im sozialen Nahbereich - von nahestehenden Personen aus dem beruflichen oder privaten sozialen Umfeld der Betroffenen verübt. Dadurch unterscheidet sich die Art des Angriffs bei digitaler Gewalt fundamental von dem anderer Formen von Cyberkriminalität. Die Angreifer der Cyberkriminalität sind anonym und weit entfernt, kennen ihre Opfer nicht persönlich und verfolgen vorrangig monetäre Interessen. Bei digitaler Gewalt geht es Angreifern darum, ihren Opfern persönlich zu schaden (beruflich und/oder privat), sie einzuschüchtern, zu bedrohen, zu diffamieren, bloßzustellen oder Macht und Kontrolle über sie auszuüben."

"Digitale Gewalt im sozialen Nahraum tritt insbesondere in Trennungssituationen auf. In diesen Situationen ist es wichtig, nicht nur emotional und physisch Abstand zu gewinnen, sondern sich auch digital zu trennen. Das bedeutet, die Kontrolle über die eigenen Geräte, Online-Konten und Identitäten zu behalten oder zurückzugewinnen, um die eigene digitale Selbstbestimmung zu schützen", so das BSI weiter und listet auf seiner Website Tipps auf, wie Geräte und Online-Konten abgesichert werden können.

Wo gibt es weitere Informationen?

Der Verein Frauenhauskoordinierung (FHK):setzt sich dafür ein, Gewalt gegen Frauen zu verhindern und die Hilfen für misshandelte Frauen und ihre Kinder zu verbessern. Digitale Gewalt kann Betroffene massiv psychisch und physisch schädigen – insbesondere, weil digitale Gewalt rund um die Uhr ausgeübt werden kann. Diese Gewaltform muss daher genauso ernst genommen werden wie andere Formen von Gewalt, fordert der FHK. Besonders problematisch: Selbst wenn Betroffene in ein Frauenhaus flüchten, hört die digitale Gewalt nicht automatisch auf. Denn Gefährder können Betroffene weiterhin über mobile Endgeräte erreichen oder sie über Stalkerware orten und überwachen. Umso wichtiger ist es, dass Fachkräfte vor Ort für das Thema sensibilisiert und gut geschult werden.

Weitere interessante Links:
Digitale Gewalt im sozialen Nahraum | Femizide und Gewalt gegen Frauen | bpb.de
Digitale Gewalt: Definition und Auswirkungen auf Betroffene

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