15.3.2022 | aktuelle Meldung

Bayerischer Landesgesundheitsrat will Fachkräftemangel im Gesundheitswesen bekämpfen

  • LGR-Vorsitzende Sonnenholzner: Die Corona-Pandemie hat den bereits bestehenden Fachkräftemangel innerhalb der Gesundheitsberufe verschärft – jetzt sind Maßnahmen erforderlich
  • Verbandspräsidentin Hannelore König berichtete über Fachkräfteengpass bei MFA und ZFA in Bayern: In den Arzt- und Zahnarztpraxen müssen ohne MFA und ZFA bei der Betreuung und Behandlung der Patientinnen und Patienten Leistungen eingeschränkt bzw. Sprechzeiten reduziert oder Praxen geschlossen werden

In seiner 11. Sitzung am 14.03.2022 informierte sich der Landesgesundheitsrat über den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen unter Berücksichtigung der zusätzlichen Belastung durch die Corona-Pandemie sowie die erforderlichen Handlungsansätze zur Fachkräftegewinnung. Zu Beginn der Sitzung betonte Klaus Holetschek, Staatsminister für Gesundheit und Pflege, in einem Grußwort die Relevanz der Herausforderung des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen und begrüßte die Behandlung dieser Thematik innerhalb des Bayerischen Landesgesundheitsrates. Ebenso bekräftigte die Vorsitzende des Bayerischen Landesgesundheitsrates Kathrin Sonnenholzner, MdL a. D. vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Problematik des sich immer weiter verschärfenden Fachkräftemangels in den Gesundheitsberufen und wies gleichzeitig auf die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Bewältigung dieser Herausforderung hin.

So zeigte Dr. Ingo Kolodziej, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzbereich „Gesundheit“ des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung eines sich immer weiter verschärfenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen auf: „Um den künftigen Fachkräftebedarf im Gesundheits- und Sozialwesen zu decken, gilt es unter anderem den Bestand an Erwerbstätigen vermehrt zu aktivieren und neue Fachkräfte aus dem In- und Ausland zu gewinnen. So sollte die Attraktivität von Gesundheitsberufen insbesondere in der Pflege erhöht werden, und wo immer möglich, arbeitssparende Innovationen, zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung, Robotik und Sensorik, eingesetzt werden.“

Konkrete Zahlen präsentierte Hannelore König, Präsidentin des Verbandes der medizinischen Fachberufe e. V., die derzeitige Fachkräftesituation der Medizini-schen sowie Zahnmedizinischen Fachangestellten im Freistaat Bayern: „Im Februar 2022 kamen in Bayern umgerechnet auf 100 gemeldete offene Stellen 45 Medizinische Fachangestellte (MFA) und sogar nur 38 Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA), die bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitslos registriert waren. Der Freistaat gehört damit zu den Bundesländern, in denen der Fachkräfteengpass in beiden Berufen am größten ist. Unsere Onlineumfrage hat Anfang Februar ergeben, dass 45 Prozent der MFA und 35 Prozent der ZFA in Bayern mindestens mehrere Male im Monat über den Ausstieg aus ihrem Beruf nachdenken. Diese dramatische Fachkräftesituation hat direkten Einfluss auf die ambulante medizinische bzw. zahnmedizinische Versorgung. In den Arzt- und Zahnarztpraxen müssen ohne MFA und ZFA bei der Betreuung und Behandlung der Patientinnen und Patienten Leistungen eingeschränkt bzw. Sprechzeiten reduziert oder Praxen geschlossen werden“, so Hannelore König.

Ebenso stellte Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, die Situation der Ärztinnen und Ärzte sowie der Medizinischen Fachangestellten im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen dar: „In beiden Bereichen ist dies ist eine bedenkliche Situation und es gilt mehr denn je für die Zukunft den Nachwuchs zu motivieren. In diesem Zusammenhang stellt die Bayerische Landesärztekammer u. a. folgende Forderungen: Stärkung der bestehenden ärztlichen Strukturen, sektorenverbindend statt sektorenübergreifend agieren, den Beruf der bzw. des Medizinischen Fachangestellten wertschätzen.“

Anschließend legte Georg Sigl-Lehner, Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern aus Sicht der Pflegebranche unabdingbare Lösungsansätze für das Entgegenwirken des Fachkräftemangels innerhalb der Pflegeberufe dar. Dabei wies Georg Sigl-Lehner in besonderer Weise auf die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs sowie die Erhaltung der Berufsfähigkeit hin: „Der Pflegeberuf muss seine Stärken wiederentdecken und realisieren können. Darauf sind Ausbildung und betriebliche Rahmenbedingungen auszurichten.“ Weiterhin fügte Georg Sigl-Lehner hinzu: „Die Pflegenden müssen intensiv und effektiv bei ihrer Gesunderhaltung unterstützt und gefördert werden, physisch wie psychisch, damit sie möglichst lange selber im Beruf gesund bleiben.“

Im Rahmen des letzten Vortrages erläuterte Hans Ortmann, Erster Vorsitzender des Verbandes Physikalische Therapie e. V. sowie stellvertretender Sprecher der Interessengemeinschaft bayerischer Heilmittelverbände (I.B.H.) vor allem mit Blick auf die Corona-Pandemie die derzeitigen Gegebenheiten der Fachkräftegewinnung im Heilmittel-Versorgungssystem: „Junge Menschen für unser, aus vielen umfangreichen und renovierungsbedürftigen Regelwerken bestehendem und rationierten Heilmittel-Versorgungssystem zu gewinnen, erweist sich seit Jahren als ungelöstes Problemfeld. Die Belastungen durch die Corona-Pandemie verstärken dieses Problemfeld zusätzlich. Attraktive Rahmenbedingungen mit dem Abbau von systembedingten Negativfaktoren ist aus Sicht der Interessengemeinschaft Bayerischer Heilmittelverbände – IBH deshalb längst überfällig“, so Hans Ortmann.

Quelle und weitere Informationen: www.landesgesundheitsrat.bayern.de.

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