12.9.2019 | aktuelle Meldung

Transkulturelle Kommunikation in der Gesundheitsversorgung

Von einem neuen, berufsgruppen-übergreifenden Fortbildungskonzept, das speziell auf die Stärkung der transkulturellen Kompetenz und die kultursensible Kommunikation in der Gesundheitsversorgung zugeschnitten ist, profitieren die Patienten ebenso wie ihre professionellen Betreuer. Davon sind die Teilnehmer/innen einer von Ärzteschaft, Zahnärzteschaft, Pflege und Medizinischen und Zahnmedizinischen Fachangestellten gemeinsam entwickelten und getesteten Schulung überzeugt.

Das Modellprojekt wurde in der Städteregion Aachen praktisch erprobt. Aus Sicht der Teilnehmenden nahmen Sicherheit und Offenheit im Umgang mit Patientinnen und Patienten aus anderen Kulturen ebenso zu wie der interdisziplinäre Austausch der am Projekt beteiligten Gesundheitsberufe. Das geht aus dem Abschlussbericht zum Projekt hervor, den die Initiatoren am 29.8.2019 in Düsseldorf bei einem Abschlusssymposium zum Modellprojekt InterKultKom präsentierten.

In den Fortbildungen ist zum Beispiel vermittelt worden, wie Dolmetscher und Sprachmittler in den Kommunikationsprozess in Klinik und Praxis integriert werden können. Zudem wurde trainiert, wie Kommunikation und Beziehungsgestaltung mit fremdsprachigen Patientinnen und Patienten in Klinik und Praxis gelingen kann. Ein weiteres Thema war der Umgang mit Schmerz, Tod und Trauer in unterschiedlichen Kulturen, um die emotionalen Reaktionen von Schwerstkranken und Sterbenden mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund besser zu verstehen und angemessen damit umgehen zu können. Wichtig war die Reflexion der eigenen kulturellen Prägung und Haltung. Darüber wird die Sensibilität für die Versorgung von Patienten aus anderen Kulturen gefördert und mehr Verständnis für einen unterschiedlichen Umgang mit Krankheit und Tod aufgebaut.

An dem Modellprojekt, das die Robert Bosch Stiftung gefördert hat, beteiligten sich die Ärzte- und Zahnärztekammer Nordrhein, die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V., der Pflegerat NRW und der Verband medizinischer Fachberufe e.V. Mit der Umsetzung war das von Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung getragene Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN) betraut. Für die Evaluation zeichnet die Universität Witten/Herdecke verantwortlich.

„In einer multikulturellen Gesellschaft ist es wichtig, dass unsere Gesundheitsversorgung allen Patientinnen und Patienten gerecht wird. Gerade mit schwersten Krankheiten und mit Grenzsituationen am Lebensende sollten alle beteiligten Gesundheitsberufe kultursensibel und interprofessionell umgehen können“, sagt der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. „Ich würde mich daher sehr freuen, wenn es gelänge, dieses Schulungsprogramm sowohl in Aus- und Fortbildung und in der bewährten Kooperation mit den Projektpartnern auch über die Städteregion Aachen hinaus umsetzen zu können.“

„Der Bedarf an interkultureller Kompetenz in der Gesundheitsversorgung ist durch den Zuzug vieler Migranten und geflüchteter Menschen deutlich gewachsen. Interkulturelle Kompetenz lernt man aber nicht im Medizinstudium. Umso wichtiger sind Angebote wie das Modellprojekt „InterKultKom“. Ich wünsche mir, dass das Fortbildungskonzept viele Anwender findet und zu einer nachhaltigen, kulturell aufgeschlossenen medizinischen Versorgung beiträgt“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Dr. med. dent. Ralf Hausweiler, Vizepräsident der Zahnärztekammer Nordrhein ergänzt: „Für eine kultursensible Patientenversorgung durch Zahnärztinnen, Zahnärzte und das Praxisteam ist interkulturelle Kompetenz sehr wichtig – gerade auch in akuten Schmerz- und Notfallsituationen.“

Auch Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, sieht ein wichtiges Anliegen darin, die Kliniken und ihre Mitarbeiter in der Kommunikation und ihren interkulturellen Kompetenzen zu unterstützen. „Wir sehen, dass zunehmend mehr Personal mit Migrationshintergrund in den Krankenhäusern tätig wird und die Zahl von Patienten mit Migrationshintergrund steigt. Eine funktionierende empathische Kommunikation untereinander und gegenüber Patienten ist aus unserer Sicht die beste Basis für Diagnostik, Therapie und Pflege.“

Thomas Kutschke, Stellvertretender Vorsitzender des Pflegerates NRW, fügt hinzu: „Pflegende aus allen Herren Länder sind schon heute unverzichtbare Mitglieder in den Pflegeteams der NRW-Einrichtungen für die Kranken- und Altenversorgung. Ihre Bedeutung wird in den nächsten Jahren, auch im Rahmen einer gelebten Einwanderungspolitik, weiter steigen. Mit dem Projekt InterKultKom wird ein Weg aufgezeigt, der der Pflege kulturrelevantes Wissen für die Ausübung ihrer pflegerischen Profession zur Verfügung stellt und Einwanderung als Chance für den Arbeitsmarkt darstellt.“

„Handlungskompetenzen in der Kommunikation sind für Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte (MFA) entscheidende Instrumente in der täglichen Arbeit. Deren Grundlagen auch unter interkulturellen Aspekten zu beherrschen, muss in Zukunft mehr als bisher Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung von MFA und ZFA sein. Deshalb ist es für Praxisteams wichtig, dass die Erkenntnisse aus diesem Projekt für interprofessionelle Qualifizierungen genutzt werden“, sagt Hannelore König, 1. geschäftsführende Vorsitzende im Verband medizinischer Fachberufe e.V..

Die Universität Witten/Herdecke zeichnete für die Evaluation des Projektes verantwortlich. „Interkulturelle Kompetenz ist in aller Munde- und gleichzeitig ein schillernder Begriff. Umso wichtiger ist die differenzierte und aktive Auseinandersetzung mit dem Thema in einer solchen Fortbildung. Der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern berichtete Wissensfortschritt und die größere Sicherheit im Umgang mit interkulturellen Fragen ist bemerkenswert“, sagen Univ.-Prof. Dr. med. Anne Barzel und Univ.-Prof. Dr. phil. Ulrike Willutzki, Fakultät für Gesundheit an der Universität Witten/Herdecke.

„Die Projektergebnisse deuten darauf hin, dass gezielte Schulungsmaßnahmen die interprofessionelle Zusammenarbeit fördern und mehr Sicherheit geben können im Umgang mit Menschen anderer kultureller Prägung,“ ergänzt Martina Levartz, MPH, Geschäftsführerin des IQN.

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