06.07.2017 | aktuelle Meldung

Schulungsprogramm für Betreuer schwerstkranker und sterbender Menschen

Ärzteschaft, Pflege und Medizinische Fachangestellte legen Abschlussbericht zu einem von der Robert Bosch Stiftung geförderten Modellprojekt vor.

Von einer neuen, berufsgruppenübergreifenden Fortbildung, die speziell auf die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen zugeschnitten ist, profitieren die Patienten ebenso wie ihre professionellen Betreuer. Davon sind die Teilnehmer einer von Ärzteschaft, Pflege und Medizinischen Fachangestellten gemeinsam entwickelten und getesteten Schulung überzeugt. Aus Sicht der Teilnehmer an dem Modellprojekt, das am Niederrhein praktisch erprobt wurde, nahmen Sicherheit und Qualität der Patientenversorgung im Laufe des Programms ebenso zu wie ihr Respekt für die Angehörigen der jeweils anderen Gesundheitsberufe. Das geht aus dem Abschlussbericht zum Projekt hervor, den die Initiatoren am Dienstag, 4. Juli, in Düsseldorf vorgelegt haben.

In den Fortbildungen ist zum Beispiel trainiert worden, die emotionalen Reaktionen von Schwerstkranken und Sterbenden besser zu verstehen, um angemessen damit umgehen zu können. Auch über Anzeichen für Überlastung und Burnout der Betreuer wurde in den Fortbildungen gesprochen – und über Quellen der Regeneration, stellt doch der Umgang mit schweren Erkrankungen und Tod auch für Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und Medizinische Fachangestellte eine große Herausforderung dar.

An dem Modellprojekt, das die Robert Bosch Stiftung gefördert hat, beteiligten sich die Ärztekammer Nordrhein und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein, der Pflegerat NRW und der Verband medizinischer Fachberufe e.V. Mit der Umsetzung war das von Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung getragene Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN) betraut.

„Gerade in schwierigen Situationen kommt es darauf an, dass der Patient sich verstanden fühlt und seine Ängste und Sorgen ernst genommen sieht“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. „Nur so entsteht eine Atmosphäre des Vertrauens, in der es dem Patienten so leicht wie möglich gemacht wird, seine Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen.“

„Ich würde mir wünschen, dass es uns gelingt, diese interprofessionellen Fortbildungen sukzessive in die Fläche zu bringen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Dr. Frank Bergmann, „denn nur dann können die Akteure in allen Regionen von einer besseren Zusammenarbeit und einer wirksameren Versorgung ihrer schwerstkranken Patienten profitieren.“

„Ärzte, Pflege und Medizinische Fachangestellte aus dem Krankenhaus und dem ambulanten Bereich innerhalb einer Region haben gemeinsam an Schulung und Training teilgenommen und sich noch einmal ganz anders kennen und schätzen gelernt“, sagte der Vorsitzende des Pflegerates Nordrhein-Westfalen, Ludger Risse. „Auf diese Weise wurde das Verständnis für die Sicht des jeweils anderen gefördert und die gegenseitige Wertschätzung ist deutlich gewachsen.“

„Es ist erfreulich, dass die Anzahl der Kontakte der Akteure bei der Versorgung und auch die Häufigkeit der Gespräche mit den Schwerstkranken und deren Angehörigen gestiegen sind. Die ebenfalls gestiegene Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit zeigt, dass dieser Weg richtig ist“, sagte Hannelore König, 1. Vorsitzende geschäftsführender Vorstand des Verbandes medizinischer Fachberufe.

In einer Befragung sechs Monate nach Ende der Schulungsmaßnahmen gaben die Teilnehmer eine Erhöhung des Wissens, die Verbesserung der berufsübergreifenden Zusammenarbeit und der Motivation im Beruf sowie die Erhöhung der Patientenzufriedenheit als positive Effekte an, so Dr. Martina Levartz, Geschäftsführerin des IQN. Nach Einschätzung der am Modellprojekt Beteiligten werden durch die Arbeit im interprofessionellen Team auch Fehler bei der Behandlung vermieden und die Versorgungsqualität, die Patientensicherheit und die Arbeitszufriedenheit gesteigert.

Weitere Unterlagen:
Abschlussbericht des Modellprojektes
Statement der Geschäftsführerin des Institutes für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein, Dr. med. Martina Levartz, MPH
Statement des Präsidenten der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke
Statement des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann
Statement des Vorsitzenden des Pflegerates NRW, Ludger Risse
Statement der 1. Vorsitzenden des geschäftsführenden Vorstandes des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V., Hannelore König
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