25.06.2013 | aktuelle Meldung

Für eine Reform der Minijobs

Gemeinsam mit weiteren Frauen- und Sozialverbänden, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und VertreterInnen der Wissenschaft fordern wir in einem gemeinsamen Aufruf eine nachhaltige Reform der Minijobs. Denn:

In Deutschland gibt es sieben Millionen Minijobs. Auf den ersten Blick scheinen sie attraktiv. Doch die Sonderregelungen haben schwerwiegende „Nebenwirkungen“. So verkehren sich die scheinbaren Vorteile schnell ins Gegenteil.
  • Minijobs sind keine Brücke in den Arbeitsmarkt, also in reguläre Beschäftigung.
  • Minijobs sind eine der wesentlichen Barrieren für Frauen auf dem Weg zu einer eigenständigen Existenzsicherung und langfristig für sie ein enormes Risiko.
  • Minijobs verschärfen den Niedriglohnsektor. Mehr als drei Viertel der Minijobber und Minijobberinnen arbeiten für einen Stundenlohn von unter 8,50 Euro.
  • Den Beschäftigten im Minijob werden oft Arbeitnehmerrechte vorenthalten.
  • Die soziale Sicherung ist unzureichend, eine eigenständige Existenzsicherung ist nicht zu erwirtschaften. Es droht Armut trotz Job und später Altersarmut.
  • Die Beschäftigten üben oft ausbildungsferne Tätigkeiten aus, ihre vorhandene, oft gute Qualifikation geht verloren.
Wir wollen eine nachhaltige Reform der Minijobs!

Für Kleinstarbeitsverhältnisse darf kein gesondertes Recht gelten. Alle Arbeitsplätze müssen gleich behandelt, gleich bezahlt und gleich versichert sein. Es darf keine steuerlichen Anreize für Arbeitgeber zum Lohndumping geben und keine Anreize für kleine Zuverdienste, die vor allem Frauen bewegen, entweder fast aus dem Arbeitsmarkt auszusteigen oder nach der Familienphase nur „mini“ wieder einzusteigen.

Minijobs sind die am weitesten verbreitete Form der prekären Beschäftigung. Sie sind eine der wesentlichen Barrieren für die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsmarkt.

Die Minijob-Regelung verzerrt den Arbeitsmarkt und behindert den Ausbau regulärer Teilzeit-Arbeitsplätze mit Perspektive. Die Mehrzahl der Minijobberinnen und Minijobber, die den Minijob als einzige Tätigkeit ausüben, will länger arbeiten. Viele streben eine Teilzeit-Beschäftigung zwischen 20 und 25 Stunden an. Nicht zuletzt wegen des Fachkräftemangels und der demografischen Veränderungen kann dieser Zustand nicht länger hingenommen werden.

Von der Reform werden sowohl die Beschäftigten als auch der Arbeitsmarkt insgesamt profitieren. Die Beschäftigten haben die Chance auf ein höheres Einkommen, und die soziale Sicherung wird verbessert. Durch die höheren Löhne werden die Abgaben für die soziale Sicherung ausgeglichen, so dass die Beschäftigten keine Nachteile haben.

Die Minijob-Mauer wird aufgelöst, die Arbeitsplätze bleiben erhalten. Die Arbeitszeit bestimmen die Beschäftigten selbst in Absprache mit ihren Arbeitgebern. Das Angebot an regulärer und sozial abgesicherter Teilzeit wird steigen, das Arbeitskräftepotenzial wird erhöht.

Zu den konkreten Reformschritten gibt es Vorschläge von Gewerkschaften, Verbänden und WissenschaftlerInnen. Wir fordern von den Mitgliedern des Deutschen Bundestages und Parteien, sich dieser Diskussion zu stellen. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch!

Gemeinsamer Aufruf – Weckruf an die Politik
16 Verbände und Organisationen sowie 23 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern eine Reform der Minijobs. Minijobs sollen als normale Arbeitsverhältnisse in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Weiterführende Dokumente:
Zusammenfassung der Studie von Prof. Wippermann
Die Studie untersucht die Auswirkungen der Beschäftigung in einem Minijob im Lebens- und Erwerbsverlauf von Frauen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Minijobs eine schnell wirkende Bindewirkung entfalten und die klassische Rollenverteilung verstärken und zementieren. Langfassung der Studie von Prof Wippermann

Böckler Impuls „Schlecht bezahlte Minijobs"
Kurzfassung einer Untersuchung der Hans-Böckler Stiftung, in der vor allem die Einkommenssituation von MinijobberInnen untersucht wird. Entgegen den gesetzlichen Bestimmungen werden MinijobberInnen bei den Löhnen deutlich benachteiligt und erhalten überdurchschnittlich oft nur Niedriglöhne.

Wie aus dem Wunsch nach einer sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäf-tigung ein schlecht bezahlter Minijob wird.
Ein Beispiel wie es jeden Tag in deutschen Betrieben vorkommt.

IAB Kurzbericht 24/2012. Eine aktuelle Bestandsaufnahme über den Einsatz von MinijobberInnen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem in kleineren Unternehmen reguläre Arbeitsplätze durch Minijobs verdrängt werden. Dabei sind einige Branchen besonders betroffen.
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