Thema 5: Duale Ausbildung und Meisterprinzip im Zahntechniker-Handwerk

  1. Unsere Berufe üben verantwortungsvolle Tätigkeiten an Mensch und Tier aus. Um die erforderlichen Kompetenzen zu erlangen, benötigen sie eine gute und qualifizierte Ausbildung. Was wollen Sie tun, um die Ausbildungsqualität im dualen System zu verbessern?

  2. Wie steht Ihre Partei zum Meisterprinzip im gefahrengeneigten Zahntechnikerhandwerk?

  3. Wie will Ihre Partei die duale Ausbildung stärken und das Image dieser wichtigen Berufe in den Schulen und der Öffentlichkeit verbessern?
  • CDU/CSU:
zu 1.
CDU und CSU setzen sich dafür ein, dass in den Ausbildungsvorgaben und in der Ausbildungsqualität die Entwicklungen in diesem Bereich z.B. durch Digitalisierung und den medizinisch-technischen Fortschritt Berücksichtigung findet.

zu 2.
Im Handwerk ist das Meisterprinzip gängig. Unabhängig von den Möglichkeiten der dualen Ausbildung bzw. des dualen Studiums sehen CDU und CSU das Meisterprinzip in der Zahntechnik nicht gefährdet. Im Übrigen kennen wir dieses Nebeneinander inzwischen auch in anderen Gesundheitsberufen.

zu 3.
Wie bereits erwähnt, wollen CDU und CSU in der nächsten Legislaturperiode einen Schwerpunkt auf die Gesundheitsberufe legen, um die Attraktivität zu erhöhen und dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen. Bei der Verbesserung und der Werbung für eine duale Ausbildung in den Schulen kommt es allerdings insbesondere auf das Engagement regionaler Arbeitgeber an.

  • SPD:
zu 1. bis 3.
Das deutsche Handwerk lebt von seiner ausgezeichneten Qualität und seinem hervorragenden Ruf. Um die Sicherheit und Qualität in der Ausbildung zu gewährleisten, werden wir das System der zulassungspflichtigen Handwerksberufe sowie den Meisterbrief stärken.

Die duale Ausbildung ist eine der Stärken unseres Bildungssystems. Eine herausragende Rolle spielt dabei das Handwerk, das für rund ein Viertel aller Ausbildungsplätze steht. Die duale Ausbildung sorgt dafür, dass wir auch morgen noch die Fachkräfte haben, die wir für die Sicherung unseres Wohlstandes brauchen. Deshalb kommt es jetzt darauf an, sie zu modernisieren und noch attraktiver zu machen.

  • Die Linke:
zu 1.
Die Linke fordert eine grundlegende Reform des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), in der die Verbesserung der Ausbildungsqualität in den Mittelpunkt gerückt und ein Rechtsanspruch auf eine vollqualifizierende Ausbildung verankert wird. Für uns ist und bleibt die duale Ausbildung zentrales Element, um die Qualität der Produkte und Dienstleistungen hochzuhalten und den Auszubildenden eine langfristige, gesicherte Berufs- und Lebensperspektive zu bieten. Die duale Ausbildung spielt für die berufliche Perspektive jeder/jedes einzelnen sowie für die Fachkräftesicherung von Betrieben eine große Rolle. Daher sind die Inhalte einer Ausbildung gemäß dem technischen Fortschritt und den Anforderungen weiterzuentwickeln. Darüber hinaus sind den Auszubildenden bessere Perspektiven durch deren Übernahme in sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung zu schaffen. Die Kontrolle der Qualität in der Ausbildung sollte einem neutralen Gremium, in dem alle an Ausbildung Beteiligten vertreten sind, übertragen werden.

zu 2.
Die Linke unterstützt den Erhalt des Meisterprinzips und die Stärkung des Meisterbriefs in den unterschiedlichsten Berufsgruppen. Für uns stehen hierbei die umfassende Qualitätssicherung und Qualifikationsnachweise an erster Stelle, nicht die bloße Zertifizierung, Klassifikationen und Niederlassungs-/Zulassungsbedingungen als solche. Genau aus diesem Grund haben wir zu weit gehenden Liberalisierungen, der damit immer auch verbundenen Abkehr vom dualen Ausbildungssystem und den entsprechend darauf aufbauenden Berufsabschlüssen im Bundestag stets widersprochen.

Das Meister-BAföG (AFBG) ist für uns ein wichtiges Instrument der beruflichen Fortbildung, mit dem die Qualität weiter gesichert und erhöht werden kann. Wir wollen es nicht nur auf dem Niveau erhalten, sondern ausbauen. Langfristig müssen dazu die Lücken in den bestehenden Fördersystemen der beruflichen Aus-/Weiterbildung geschlossen, BAföG und Meister-BAföG ausgebaut und den realen Lebenshaltungskosten angepasst werden. Darüber hinaus setzt sich Die Linke dafür ein, dass der Bund die volle Höhe der AFBG-Kosten übernimmt und die Länder dadurch finanziell entlastet werden.

zu 3.
Imagekampagnen und Werbung können das Bild der dualen Ausbildung und der Berufe kurzfristig verbessern und sind wichtig. Mittel- und langfristig sind aber die Bedingungen der Ausbildung so zu gestalten, dass ein großer Personenkreis angesprochen und integriert werden kann. Dazu zählen auch Menschen mit schlechteren Schulabschlüssen oder ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Darüber hinaus sollte das Handwerk/die Handwerksausbildung verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund, Behinderte sowie Frauen einbeziehen.

Die Linke streitet auf allen Ebenen für das Recht auf Ausbildung sowie ein auswahlfähiges Angebot an Ausbildungsplätzen, nach dem die „freie Wahl der Ausbildungsstätte“ gewährleistet wird. Mit einer Umlagefinanzierung wollen wir erreichen, dass Ausbildungsplätze bestehen bleiben und diese eine gute Qualität aufweisen sowie zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Kleinere Betriebe sollen darüber hinaus unterstützt werden, wenn MitarbeiterInnen die Ausbildereignungsprüfung ablegen und zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden.

Die Linke will aber auch viel früher ansetzen und dazu etwa die Förderpolitik und -praxis am Übergang in die Berufsausbildung neu ausrichten an einer individuellen, bedarfsgerechten Unterstützung. Ergänzend sollen dazu die oft auf mehrere Ministerien verteilten Programme und Initiativen auf Wirksamkeit geprüft und gebündelt werden. Wir wollen auch die öffentliche Berufsorientierung, -beratung und -vermittlung reformieren und schlagen dazu den Aufbau dezentraler Zentren für Ausbildungsberatung vor. Hier sollen die Kompetenzen der Bundesagentur für Arbeit, des Jobcenters, der Jugendhilfe und der Sozialpartner örtlich gebündelt werden und eine passgenaue Berufsberatung und -vermittlung nach einheitlichen Standards durch umfassend ausgebildete BeraterInnen aufgebaut werden. Solch eine Beratung könnte flächendeckend und zielgenau für SchülerInnen der Sekundarstufe I Angebote zur Berufsorientierung in allen Schulen – ab dem achten Schuljahr – anbieten und Interessierte sehr früh begleiten. Hierfür müssten Kooperationen zwischen den Zentren und der Schule aufgebaut, verstetigt und ausreichend finanziert werden.

  • Bündnis 90/Die Grünen:
zu 1.
Die Ausbildungsqualität im dualen System ist generell hoch. Wir halten das Meisterprinzip und die Ausbildereignungs-Vorschriften für richtig. Da die beruflichen Schulen an vielen Orten nicht auf dem neuesten Stand der Technik sind, wollen wir in den kommenden fünf Jahren ein Förderprogramm für eben diese auflegen und mit 500 Millionen Euro jährlich zu ihrer Modernisierung beitragen.

zu 2.
Wir halten das Meisterprinzip in allen gefahrengeneigten Bereichen für wichtig und wollen daran festhalten.

zu 3.
Es liegt vor allem in der Hand der Berufe, ihr Image in der Öffentlichkeit zu verbessern. Die Anforderungen in der Ausbildung im Zahntechniker-Handwerk gehen nicht überein mit der Ausbildungsvergütung, die gezahlt wird. Von 440 Euro im ersten Ausbildungsjahr kann in einem Ballungsraum nur leben, wer familiäre Unterstützung hat. Hier sollten die Sozialpartner handeln und die Vergütungen erhöhen.

  • FDP:
zu 1.
Mit Blick auf den bereits vorhandenen Fachkräftemangel, die Demografie und unsere Wettbewerbsfähigkeit, brauchen wir eine Stärkung der Aus- und Weiterbildung. Für den Hochschulbereich gibt es solche Initiativen bereits. Die Hochschulen und Universitäten profitieren nachweislich davon. Das brauchen wir in Deutschland auch für die berufliche Bildung. Denn der Fachkräftemangel und die Herausforderungen für die flächendeckende Gesundheitsversorgung in der Zukunft lassen sich nicht alleine durch Hochschulabsolventen lösen. Im Gegenteil: Deutschland braucht mehr Fachkräfte mit einer dualen Lehre als Fachkräfte mit einer akademischen Vorbildung. Deshalb ist jede Investition in die berufliche Bildung eine Investition in die Zukunft, dies gilt gerade auch für die medizinischen Fachberufe.

Um die duale Ausbildung fit für die Zukunft zu machen setzen wir uns für mehr digitale Bildung in der dualen Ausbildung ein. Die vielfältigen Angebote lassen sich genau auf das Können der Auszubildenden und die Bedürfnisse der Betriebe zuschneiden. Auszubildende können so Techniken und Fachwissen von internationalen Spezialisten lernen, ohne den Arbeitsort zu verlassen. Zudem bieten individuelle Lernprogramme mit digitaler Unterstützung Chancen, selbstständig zu lernen und Lücken zu schließen. Das sorgt für besser ausgebildetes Person.

Wir Freie Demokraten setzen uns für den Ausbau europäischer Austauschprogramme wie „ERASMUS plus" ein. Nicht nur Studierende sollen in den Genuss des europäischen Austauschs kommen. Auch die Teilnahme von Auszubilden den und jungen Berufstätigen an europäischen Austauschprogrammen muss gefördert werden. Dazu bedarf es schon in den berufsbildenden Schulen einer verstärkten Aufklärung über vorhandene Programme. Außerdem wollen wir eine Bildungsfreizügigkeit als neue Grundfreiheit einführen, um es jungen Menschen zu erleichtern, ihre Ausbildung in anderen Ländern der EU zu absolvieren. Denn neben der Verbreiterung des fachlichen Wissens trägt auch die Begegnung mit vielen Menschen aus den unterschiedlichen Staaten Europas zum gegenseitigen Vertrauen und einem europäischen Bewusstsein bei. So lernen wir, aus unserer Vielfalt die Kraft für eine gemeinsame Zukunft in Frieden und Wohlstand zu schöpfen. Die Geschichte lehrt uns, dass wir dies nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen dürfen.

zu 2.
Wir Freie Demokraten sehen die duale Ausbildung als Baustein des wirtschaftlichen Erfolges dieses Landes an. Hier gelingt es, jungen Menschen eine hochqualifizierte berufliche Perspektive auch mit praktischen Tätigkeiten zu geben. Wir werden uns daher auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass diese Form der Ausbildung weiterbesteht, durch Zusatzqualifikationen verbessert wird und dass der Wert der Meisterqualifikation weiter erhalten bleibt. Dabei ist die Gefahrengeneigtheit ein wichtiges Kriterium.

zu 3.
Weltbeste Bildung für jeden hält für alle den passenden Weg bereit. Im Bereich der beruflichen Bildung verfügt Deutschland bereits über eine Form der Qualifizierung, die weltweit Strahlungswirkung entfaltet und zahlreiche Aufstiegsmöglichkeiten bereit hält. Stärken wir diese Stärke auch weiterhin. Berufe in der Gesundheitsbranche nehmen vor allem in Deutschland nicht nur eine wichtige Funktion in der Gesellschaft ein, es handelt sich angesichts des Fachkräftemangels auch um Berufe mit großen Chancen.

Wir Freie Demokraten setzen uns für eine Aufwertung und Ausweitung der dualen Ausbildung in Deutschland ein. Heute ist es leider noch Gang und Gäbe, dass Berufsschüler einen vollkommen analogen Unterricht erhalten, während sich ihr Arbeitsalltag durchgängig in der digitalen Sphäre abspielt. Zukünftig müssen alle Ausbildungsberufe ausschließlich mit digitalen Medien unterrichtet werden und das Fach Informatik wesentlicher Bestandteil der berufsschulischen Ausbildung sein. Das duale Ausbildungssystem in Deutschland ist Vorbild für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger auf der ganzen Welt. Dennoch halten viele ein Hochschulstudium für den einzig richtigen Bildungsweg. Zahlreiche Studien belegen dagegen, dass die Verbindung aus praktischem Arbeiten und theoretischem Lernen für die Auszubildenden effektiv ist und für die Unternehmen genau der richtige Mix aus Wissen und Können. Diese Verbindung und individuelle Förderung trägt weiter zu einer höheren Durchlässigkeit unseres Bildungssystems bei. Wir Freie Demokraten wollen daher unser erfolgreiches berufliches Bildungssystem stärken, zu dem die duale Ausbildung und die Abschlüsse der Höheren Beruflichen Bildung (zum Beispiel: Meister, Fachwirte und Betriebswirte) gehören.

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