Thema 4: Digitalisierung im Gesundheitswesen

  1. Welche Bedeutung messen Sie der Digitalisierung im ambulanten Gesundheitswesen und im Zahntechniker-Handwerk bei?

  2. Durch welche Maßnahmen sollen die Beschäftigten und die Patienten darauf vorbereitet werden?
  • CDU/CSU:
zu 1.
Für die CDU und CSU ist die Digitalisierung unabdingbar und eine wichtige Voraussetzung, um auch in Zukunft eine angemessene, flächendeckende und gut erreichbare medizinische Versorgung zu gewährleisten. Wir werden uns dafür einsetzen, die Digitalisierung und die damit einhergehenden Veränderungen zu fördern, zu gestalten und Überforderung zu vermeiden.

zu 2.
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist nicht etwas, was erst in der Zukunft beginnt. Wir sind bereits mittendrin in einem Digitalisierungsprojekt. Die Erfahrungen zeigen, dass Digitalisierung immer dann angenommen wird, wenn sie für die Patientinnen und Patienten sowie für die Versorgung Vorteile bringt. CDU und CSU verfolgen daher das Ziel, diese Vorteile der Digitalisierung z.B. der elektronischen Patientenakte herauszustellen und aufzuzeigen. Denn die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist kein Selbstzweck, sie dient der Sicherstellung einer flächendeckenden und hochqualitativen Gesundheitsversorgung.

  • SPD:
zu 1. und 2.
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen werden wir konsequent voranbringen. So kann etwa die Telemedizin Versorgungsstrukturen gerade in weniger besiedelten Bereichen entscheidend verbessern oder erst ermöglichen und die elektronische Patientenakte die Partizipation und Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten, Versicherten und ihren Angehörigen und einen bruchfreien sektorübergreifenden Behandlungsprozess sichern. Wir beschleunigen den Ausbau in allen Bereichen und unterstützen Innovationen. Grundlage bleibt für uns eine verlässliche einheitliche Telematikinfrastruktur, die ein beispielloses Schutzniveau der sensiblen Daten sichert. Wir sorgen für schnelle Bereitstellung und stetige Weiterentwicklung. Dabei steht für uns im Fokus, dass Patientinnen und Patienten die Hoheit über ihre Daten haben und freiwillig und eigenständig über Zugang und Weitergabe entscheiden können.

Wir brauchen eine Ausbildungsstrategie für die Arbeitswelt 4.0, um mit Veränderungen wie der Digitalisierung Schritt zu halten. Dafür muss das Berufsbildungsgesetz weiterentwickelt werden. Eine Schlüsselrolle haben hier die betrieblichen Ausbilderinnen und Ausbilder. Eine regelmäßige Weiterbildung muss Standard sein. Aufgrund der Auflösung von Orts- und Zeitgebundenheit von Weiterbildung durch digitale Bildungsangebote eröffnen sich neue Zugänge für jene, die bisher nur schwerlich an Weiterbildung teilhaben konnten. Somit wird auch eine berufsbegleitende Weiterqualifizierung erleichtert.

  • Die Linke:
zu 1.
eHealth-Anwendungen und Digitalisierung im Gesundheitswesen können die Qualität der Versorgung und die Arbeitsbedingungen verbessern sowie zur Prävention von Erkrankungen beitragen. Die Linke begrüßt grundsätzlich den Aufbau einer Telematik-Infrastruktur zur sicheren Kommunikation, hält das Konzept der elektronischen Gesundheitskarte aber für gescheitert.

Die Chancen der Digitalisierung dürfen nicht den Blick dafür verstellen, dass eHealth-Anwendungen wie andere Methoden auch Risiken für die Patientinnen und Patienten und im Datenschutz bergen können. Qualität, Nutzen und Sicherheit der meisten eHealth-Anwendungen sind nicht überprüft. Wir fordern, schnell valide und praktikable Bewertungsverfahren für den Patientennutzen zu entwickeln, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Nur wenn digitale Anwendungen den Patientinnen und Patienten wirklich nutzen und der Datenschutz gesichert ist, sollten sie in die GKV-Versorgung gelangen.

Auch für die Beschäftigten birgt die Digitalisierung Chancen und Risiken. Sie ermöglicht immer schnellere Arbeitsprozesse und immer neue Maßnahmen der Effizienzsteigerung. Effizienzsteigerungen müssen nicht zwangsläufig in Personalabbau und steigendem Arbeitsdruck führen, sondern können auch in mehr Selbstbestimmung oder Lohnzuwachs für die Beschäftigten münden. Es kommt darauf an, diese Prozesse politisch zu gestalten. Wir wollen die neuen Möglichkeiten nutzen, um für Beschäftigte und Selbstständige mehr Gestaltungsmöglichkeiten und letztlich mehr Lebenszufriedenheit auch in Bezug auf die Arbeit zu erreichen.

zu 2.
Die Digitalisierung muss den Menschen dienen. eHealth-Anwendungen und Digitalisierung am Arbeitsplatz können nur dann gut funktionieren, wenn sie die Anwendenden nicht überfordern. Wir legen zudem Wert darauf, dass die neuen Möglichkeiten von eHealth (zum Beispiel Telemedizin) nicht dazu führen, den Anspruch an eine wohnortnahe Versorgung aufzugeben. Sie dürfen die persönliche Behandlung daher nur ergänzen, aber nicht ersetzen.

Die Digitalisierung mit den gesteigerten Effizienzerwartungen bringt auch spezifische Herausforderungen für den Arbeitsschutz mit sich. Die psychischen Belastungen, die damit einhergehen, müssen besser erforscht und bei Arbeitsschutzmaßnahmen berücksichtigt werden. Neue Definitionen von Ruhe- und Arbeitszeiten und der Bemessung von Arbeitsleistung sind notwendig, um geistige Akkordarbeit zu bestimmen und zu vermeiden.

  • Bündnis 90/Die Grünen:
zu 1.
Durch die Digitalisierung können Versorgungsprozesse verbessert werden. Die Patientinnen und Patienten können besser in ihre Behandlung einbezogen werden und auch selbst erhobene Daten für die Behandlung beisteuern. Das Wichtigste aber ist: Durch eine elektronische Patientenakte bekommen sie die Hoheit über ihre Daten zurück. In der Zahntechnik sind durch die Digitalisierung andere Materialien und andere Herstellungsverfahren absehbar, die zu anderen Betriebsstrukturen führen können.

zu 2.
Die Patientinnen und Patienten müssen darauf vertrauen können, dass ihre Daten auch künftig sicher und geschützt sind. Nur so kann Akzeptanz für die Digitalisierung bewirkt werden. Entscheidungen müssen auch künftig freiwillig bleiben. Die möglichen Veränderungen im Zahntechnik-Gewerbe sind eine Herausforderung, die vor allem auch durch die Anpassung von Ausbildungsinhalten, Qualifizierungs- und Fortbildungsmöglichkeiten gemeistert werden können.

  • FDP:
zu 1.
Wir Freie Demokraten setzen uns für den weiteren Ausbau digitaler Gesundheitsdienstleistungen und für verbesserte Rahmenbedingungen für eine sichere Digitalisierung des Gesundheitssystems ein, die sich an den Bürgerinnen und Bürgern als dessen Nutzerinnen und Nutzer orientiert. Denn digitale Dienstleistungen sorgen für ein effizienteres, schnelleres und sichereres Gesundheitssystem. Sogenannte E-Health-Systeme, bei denen relevante Daten gesammelt und nutzbar gemacht werden, bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, um Verbesserungen im Gesundheitswesen einzuführen. Diese Systeme ermöglichen bei einer dezentralen Speicherung beim und in der Verfügungsgewalt des jeweiligen Bürgers und der jeweiligen Bürgerin den schnellen Zugriff im Notfall, soweit dies auch von den Patientinnen und Patienten gepflegt und gewünscht wird. Zum Dienst am Menschen gehört auch der Schutz seiner Daten. Der Staat muss die Hoheit des Einzelnen über seine Daten stets gewährleisten. Patientinnen und Patienten bestimmen über ihre Daten und wer wann wie lange und für welchen Zweck darauf zugreifen darf. Daher ist auch jeder Zugriff zu dokumentieren, damit Missbrauchsversuche zügig geahndet werden können. Die Digitalisierung verbindet dabei das Ziel des Bürokratieabbaus mit der Entschlackung von Diagnostik-, Dokumentations- und Abstimmungsprozessen und erweitert Forschungsmöglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheiten. Das wird sich auch positiv auf das Zahntechniker-Handwerk auswirken.

zu 2.
Wir Freie Demokraten setzen auf das Versprechen, dass alle Bürgerinnen und Bürger durch Weiterbildung beim digitalen Wandel auch mithalten können. Die Digitalisierung verändert unser Leben – und prägt die Arbeitswelt von morgen. Wie bei den großen Umbrüchen in der Vergangenheit wird uns auch diesmal die Arbeit nicht ausgehen. Zahlreiche Jobs werden sich stark verändern, manchen Beruf wird es in Zukunft vielleicht gar nicht mehr geben – genauso werden aber viele neue Jobs entstehen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Die Welle der digitalen Gründungen zeigt uns schon heute, welche großen Jobpotenziale bestehen. Aber im Wandel müssen die Menschen durch gute Rahmenbedingungen und Qualifizierung begleitet werden, denn der Weiterbildungsbedarf ist und wird gewaltig sein. Wir brauchen das Versprechen an alle Bürgerinnen und Bürger, beim digitalen Wandel auch mithalten zu können. Deshalb muss lebenslanges Lernen noch stärker vom Schlagwort in gelebte Realität münden. So können Aufstiegschancen verbessert und das Risiko von Arbeitslosigkeit vermieden werden. Immer mehr Betriebe unterstützen die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – aber für Zweidrittel der Beschäftigten bleibt hier noch viel zu tun. Deshalb muss auch die Arbeitsmarktpolitik die Weiterbildung von Beschäftigten stärker unterstützen.

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