Thema 3: Patientennahe Versorgung

  1. Wie will Ihre Partei die wohnortnahe Versorgung mit Haus- und Facharztpraxen, vor allem mit Blick auf die zunehmende Fachkräfteproblematik bei Medizinischen Fachangestellten, sichern?

  2. Wie stellen Sie sich die zahnärztliche Betreuung unter dem Druck des bestehenden Fachkräfteengpasses bei Zahnmedizinischen Fachangestellten vor?

  3. Welche Strategie haben Sie für die Versorgung mit Zahnersatz angesichts des eklatanten Fachkräftemangels bei Zahntechniker(inne)n?
  • CDU/CSU:
zu 1.
Der Fachkräftemangel ist eine generelle Herausforderung und Chance im Gesundheitswesen gleichermaßen. Wir haben in dieser Legislaturperiode mit den Maßnahmen und Regelungen im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, im E-Health-Gesetz, in den Pflegestärkungsgesetzen, im Hospiz- und Palliativgesetz und nicht zuletzt im Pflegeberufereformgesetz die Voraussetzungen geschaffen, um die ärztliche und pflegerischen Versorgung auch in Zukunft sicherstellen zu können. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Unser Ziel ist es, die Tätigkeit im Gesundheitswesen attraktiver zu gestalten. Hierbei setzen wir insbesondere auf hochwertige Qualifizierung, angemessene und leistungsgerechte Bezahlung, zunehmende Delegation, Abbau von unnötiger Bürokratie und Digitalisierung.

zu 2.
Für die Zahnmedizinischen Fachangestellten bzw. die zahnärztliche Versorgung gelten die gleichen Aussagen wie für die Medizinischen Fachangestellten bzw. die ärztliche Versorgung. Auch hier setzen sich CDU und CSU für eine Attraktivitätssteigerung der Tätigkeit, eine hochwertige Qualifizierung, eine angemessene und leistungsgerechte Bezahlung sowie den Abbau von unnötiger Bürokratie und Digitalisierung ein. Diskutiert werden könnte beispielsweise über eine digitale Archivierung von Kiefermodellen. Das würde Zeit und Platz schaffen.

zu 3.
Im Bereich des Zahnersatzes werden die Digitalisierung und der medizinisch-technische Fortschritt neue Möglichkeiten eröffnen. Dabei ist die Unterstützung der ärztlichen und zahnärztlichen Selbstverwaltung gefordert, Digitalisierungsprozesse im Gesundheitswesen voranzutreiben. Hierdurch wird sich auch der Beruf des Zahntechnikers verändern.

  • SPD:
zu 1. und 2.
Gute Gesundheitsversorgung darf nicht vom Einkommen und nicht vom Wohnort abhängen. Wir wollen, dass das auch für ländliche und strukturschwache Regionen wie für Stadtteile mit sozialen Problemen gute und barrierefreie Versorgung medizinischer Standard ist. Dazu schaffen wir eine integrierte Bedarfsplanung der gesamten medizinischen Versorgung. Wir brauchen darüber hinaus mehr Hausärztinnen und Hausärzte als heute, denn sie sind die erste Anlaufstelle im Krankheitsfall. Wir wollen die Notfallversorgung verändern, um den Zugang für alle sicherzustellen.

Mit dem Versorgungstärkungsgesetz haben wir den Verantwortlichen vor Ort mehr Möglichkeiten gegeben, Anreize für eine Niederlassung zu setzen. Zudem werden die Gründungsmöglichkeiten für medizinische Versorgungszentren z.B. für Kommunen, weiterentwickelt, um insbesondere in ländlichen und strukturschwachen Regionen aktiv die Versorgung mitzugestalten.

zu 3.
Nach der Schule werden die Weichen neu gestellt. Dabei ist der Einstieg in Ausbildung und Arbeit entscheidend. Damit junge Menschen einen erfolgreichen Weg einschlagen, muss es Hand in Hand gehen: Die Jugendlichen müssen motiviert sein und etwas aus ihrem Leben machen wollen, die Ausbildungsbetriebe müssen gute Angebote aufzeigen und die Hochschulen hervorragende Lehre und Forschung bieten. Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig! Beide Wege wollen wir stärken, da gerade das Ineinandergreifen dieser Fachlichkeiten unsere Innovationskraft ausmacht. Auszubildende und Studierende verdienen gleichen Respekt und gleiche Anerkennung. In beiden Bereichen brauchen wir mehr Absolventinnen und Absolventen. Die berufliche Ausbildung ist eine der Stärken unseres Bildungssystems. Sie sorgt dafür, dass wir auch morgen noch die Fachkräfte haben, die wir für die Sicherung unseres Wohlstandes brauchen. Deshalb kommt es jetzt darauf an, sie zu modernisieren und noch attraktiver zu machen.

  • Die Linke:
zu 1.
Insbesondere in der hausärztlichen Versorgung sehen wir in vielen Regionen Deutschlands gravierenden Versorgungslücken entgegen. Aber auch bei den Fachärztinnen und Fachärzten kann von einer wohnortnahen und zeitnahen Behandlung oft keine Rede sein. Es kann nicht sein, dass trotz einer nominellen „100%"-Versorgung lange Wartezeiten entstehen. Die Linke. hat dazu detaillierte Vorschläge vorgelegt (Antrag „Wohnortnahe Gesundheitsversorgung durch bedarfsorientierte Planung sichern“ auf Bundestagsdrucksache 18/4187).

Um eine gute Versorgung zu erreichen, müssen Krankenhäuser und Arztpraxen bzw. Versorgungszentren gemeinsam koordiniert werden (Bedarfsplanung). Wir wollen Krankenhäuser stärker auch für die ambulante Behandlung öffnen. Moderne Versorgungskonzepte wie Polikliniken und Rotationspraxen, bei denen Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen tageweise eingerichtete Praxisräume in kommunaler Hand zur Verfügung gestellt werden, sollen eine hochwertige Behandlung auch auf dem Land gewährleisten. Nichtärztliche Berufe wie Gemeindeschwestern können einen wertvollen Beitrag leisten und Ärztinnen und Ärzte entlasten.

Um die Attraktivität der medizinischen Assistenzberufe zu erhöhen, können neben tariflichen auch gesetzliche Regelungen beitragen. Das ist nicht nur aufgrund des Fachkräftemangels notwendig, sondern auch angesichts der Qualifikation und der Bedeutung für die Behandlungsqualität. So muss eine untertarifliche Bezahlung gesetzlich ausgeschlossen und unfreiwillige Teilzeitarbeit bekämpft werden. Wichtig für die Berufswahl sind zudem die Ausbildungsbedingungen. Die Linke kämpft für durchgängig gebührenfreie grundständige Ausbildungen und bei dualen Ausbildungen für die Zahlung einer angemessenen Vergütung.

zu 2.
Ein Fachkräfteengpass entsteht vor allem dann, wenn der Beruf (zu) wenig attraktiv ist. Es ist Aufgabe der Tarifpartner, insbesondere der Arbeitgeber, attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das bezieht sich natürlich auf die Vergütung, aber beispielsweise auch auf die Fragen, ob verlässliche Arbeitszeiten und Urlaubsregelungen getroffen werden sowie ob ausreichend Personal vorhanden ist, um das Arbeitspensum zu bewältigen. Selbstverständlich brauchen wir auch eine Regelung, die Mehrausgaben für diese Maßnahmen durch die Kostenträger refinanziert.

zu 3.
Hier gilt grundsätzlich das gleiche wie in der Frage zuvor.

  • Bündnis 90/Die Grünen:
Zu 1 bis 3.
Wir wollen für attraktive Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in diesen Berufen sorgen. Dazu gehört eine faire Bezahlung, familiengerechte Arbeitszeiten und gute Ausbildungsbedingungen. Auch Möglichkeiten zur Weiterqualifikation und daraus folgende berufliche Aufstiegsmöglichkeiten sowie die geregelte Übernahme bislang ärztlich vorbehaltener Aufgaben zählen aus unserer Sicht dazu.

  • FDP:
zu 1.
Die Freien Demokraten sehen die niedergelassene Haus- und Zahnärzteschaft als Garanten an für eine langfristige, wohnortnahe Versorgung im Vertrauensverhältnis. Neben den Maßnahmen, die wir zur Stärkung der flächendeckenden ambulanten Versorgung vorsehen, muss mit Blick auf die medizinischen Fachberufe generell die duale Ausbildung wieder gestärkt und schon während der Schulzeit als attraktiver Weg beworben und unterstützt werden. Die entsprechenden Berufsbilder sollen zusätzlich mit weiterführenden Angeboten ausgestaltet werden, um in der späteren beruflichen Entwicklung Karrierepfade und Spezialisierungen zu ermöglichen. Wir sehen es zudem als notwendig an, den durch die demografische Entwicklung entstehenden Problemen etwas entgegen zu stellen, beispielsweise durch ein Einwanderungsgesetz.

zu 2.
Ohne qualifizierte Zahnmedizinische Fachangestellte funktioniert die zu gewährleistende wohnortnahe, vertrauensvolle und qualitativ hochwertige zahnmedizinische Versorgung nicht. Deshalb müssen nach den Vorstellungen der Freien Demokraten an mehreren Stellen Maßnahmen getroffen werden, die dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Das betrifft allgemein die berufliche Bildung, die durch eine Exzellenzinitiative gefördert werden soll. Das Berufsbild selbst und die Rahmenbedingungen der Berufsausübung müssen attraktiver ausgestaltet werden. Nicht zuletzt müssen nach unseren Vorstellungen die Rahmenbedingungen im staatlichen Gesundheitswesen von Regelungen wie der Budgetierung befreit werden, die unter anderem die Gestaltungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten der ambulanten Praxen stark einengen. Auch eine von uns gewollte raschere Anerkennung ausländischer Abschlüsse nach transparenten Regeln kann dazu beitragen, dem drohenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken.

zu 3.
Wir Freie Demokraten wollen auch hier dem Fachkräftemangel mit dem zuvor ausgeführtem Instrumentarium kurz- und langfristig entgegen wirken. Die Versorgung mit Zahnersatz und generell zahntechnische Leistungen dürfen nicht zuerst unter dem Gesichtspunkt der Kosten betrachtet werden, sondern sind auch als ein teilweise buchstäblich sichtbares Symbol für allen zugängliche hochwertige (zahn-) medizinische Versorgung zu beurteilen. Dafür brauchen wir in Deutschland ein innovationsfreudiges und dynamisches Zahntechnikerwesen und passende berufliche Rahmenbedingungen.

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