27.6.2016 | Fachinformation

Stärkung der Pflegeheimversorgung - Praxisassistenten jetzt auch für Fachärzte

Die medizinische Versorgung in Alten- und Pflegeheimen wird gestärkt. Die KBV hat mit den Krankenkassen für die ärztliche Betreuung von Heimbewohnern im Rahmen von speziellen Kooperationsverträgen Regelungen zur Vergütung vereinbart. Neu ist zudem, dass neben den Hausärzten demnächst auch Fachärzte eine zusätzliche Vergütung für Heimbesuche durch qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenten erhalten.

Neue Leistungen im EBM
Für die Berechnung der zusätzlichen ärztlichen Kooperations- und Koordinationsleistungen werden zum 1. Juli zusätzliche Gebührenordnungspositionen in ein neues Kapitel 37 des Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen. Durch die Ausweitung der Delegation sollen die Ärzte gleichzeitig entlastet werden. Auch hierfür werden zum Quartalsbeginn die Abrechnungsmöglichkeiten im EBM angepasst und ein neues Kapitel 38 eingeführt.

Einstieg in eine bessere Versorgung
Die vereinbarten Vergütungen seien ein Einstieg, um die haus- und fachärztliche Betreuung von Patienten in Alten- und Pflegeheimen langfristig zu verbessern, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Ein weiterer Erfolg sei, dass nunmehr auch Fachärzte in den Heimen von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten unterstützt werden könnten. Mit Blick auf die zunehmende Zahl älterer Menschen im Land sagte KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann, sie sei froh, dass sich die KBV mit den Krankenkassen einigen konnte. Jetzt müssten weitere Maßnahmen folgen.

Förderung im Rahmen von Kooperationsverträgen
Die neuen Leistungen des Kapitels 37 können von Ärzten abgerechnet werden, die mit Heimen spezielle Kooperationsverträge abgeschlossen haben. Damit wird der erhöhte Aufwand der Ärzte im Kooperationsvertrag honoriert, unter anderem für die Koordination von diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen sowie der pflegerischen Versorgung, die Kooperation mit weiteren Ärzten und einbezogenen Pflegefachkräften, den Besuch des Patienten und die patientenorientierten Fallkonferenzen. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.

Die Förderung der kooperativen und koordinierten Versorgung in Pflegeheimen hat der Gesetzgeber mit dem Hospiz- und Palliativgesetz vorgegeben. Sie ist beschränkt auf Kooperationsverträge nach Paragraf 119b Abs. 2 SGB V, die den Anforderungen der Anlage 27 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte entsprechen. Bislang wurden Maßnahmen für eine bessere Vernetzung und Kommunikation aller Beteiligten in der Regel nicht zusätzlich honoriert. Dies ist jetzt mit dem Beschluss des Bewertungsausschusses möglich.

Nichtärztliche Praxisassistenten auch für Fachärzte
Zur Stärkung der Heimversorgung trägt außerdem bei, dass neben den Hausärzten künftig auch im fachärztlichen Bereich tätige Vertragsärzte für die Delegation von Leistungen an qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenten eine zusätzliche Honorierung erhalten. Hierzu fasste der Bewertungsausschuss am Mittwoch einen weiteren Beschluss. Das neue EBM-Kapitel 38 für delegationsfähige Leistungen enthält auch die bisherigen Kostenpauschalen 40240 und 40260 für ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von Praxismitarbeitern (neu: GOP 38100 und 38105), für die es nun eine höhere Bewertung gibt.

Bislang erfolgte eine Förderung von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten nur im hausärztlichen Bereich. Der Einsatz des fachärztlichen Assistenten ist auf die Versorgung in Pflegeheimen beschränkt und muss wie bei den Hausärzten vorab von der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung genehmigt werden.
Regelung gilt auch für Hausärzte

Die KBV konnte zudem erreichen, dass die Regelung zur Förderung nichtärztlicher Praxisassistenten im fachärztlichen Bereich auch für Haus- und Kinderarztpraxen gilt. Damit können kleinere Hausarztpraxen von der Förderung profitieren, die bislang aufgrund ihrer Fallzahl keine Genehmigung für einen Assistenten erhalten konnten.
Quelle: KBV Praxisnachrichten
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